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Soziale Arbeit mit Kindern

Für Sozialpädagogen und Sozialarbeiter bietet sich im Bereich der Kinder-, Jugend- und Familienhilfe ein fast unendliches Arbeitsfeld, das in der jüngeren Vergangenheit Angriffsflächen für heftige Debatten um die fachliche Qualifikation und die bedarfsgerechte Personalausstattung in Jugendämtern, Einrichtungen in öffentlicher Trägerschaft oder bei freien und privaten Trägern der Jugendhilfe bot. Jugendämter werden angeklagt, gefährdete Kinder nicht ausreichend zu schützen. Kinder in Kindertagesstätten sollen nur noch von Akademikern betreut werden, und die Kosten für die Hilfen zur Erziehung steigen weiter, wohingegen die offene Jugendarbeit (fast) unter den Sparzwängen erstarrt.

Kinder zwischen Bildungsplan und WhatsApp

Wenn wir Soziale Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe hören, denken wir an den Jugendklub als die Institution in unserem eigenen Jugendleben. Heute setzt Soziale Arbeit schon im Kindergarten und damit deutlich früher an. Vergleichsweise ist unser damaliges Jugendklubalter in der Sozialen Arbeit von heute unterrepräsentiert oder schon jenseits von Gut und Böse.

Soziale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen – Spielwiese, Profilierungszone oder Allheilmittel?

Wir erziehen lieber unsere Vorschulkinder nach Bildungsplan – Kompetenzen, Englisch, Computer, Zahlenreihen, Verkehrserziehung, Forscherküchen, dazu Geige, Flöte oder Keyboard. In der Grundschule glänzen wir dann mit Ganztagsbetreuung, 5 verschiedenen AG’s an 5 Wochentagen sowie Freizeitkommunikation über WhatsApp.

Der Raum für die Suche nach eigener Kreativität, die Entwicklung koordinativer, feinmotorischer und sprachlicher Fähigkeiten, Bewegungserfahrungen, Erkunden der Natur, respektvoller Umgang, aber auch das Hüpfen durch Matsch und Pfützen, das Schmecken von Sand, gemeinsame Freizeit ohne Computer und Handy, das Erleben des WIR-Gefühls oder des Team Spirit, das Lösen kniffliger (Lebens)Aufgaben, belastbare Freundschaften sowie das Führen sachlicher Auseinandersetzungen kommen uns dennoch in diesen prägenden Lebensabschnitten deutlich zu kurz. Aber zurück zur Theorie.

Zielgruppen Sozialer Arbeit mit Kindern und Jugendlichen

Soziale Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und ihren Familien richtet sich insbesondere an Kleinkinder, schulpflichtige Kinder und Jugendliche mit Sozialisationsdefiziten, Entwicklungsverzögerungen, Körperbehinderungen, Missbrauchserfahrungen oder Suchtproblemen aus allen sozialen Schichten und über alle gesellschaftlichen Grenzen hinweg. So kann das Eingreifen Sozialer Arbeit bei Alleinerziehenden, Migranten oder Arbeitssuchenden ebenso notwendig sein wie bei Kindern von Akademikern, Geschäftsführern oder der „Durchschnittsfamilie“ (zum Glück, möchte man fast sagen).

Handlungsfelder Sozialer Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe

Eine vollständige Aufzählung aller in der Kinder- und Jugendhilfe möglichen Arbeits- und Problemfelder werden Sie nirgendwo finden, da in der Sozialen Arbeit neben der Elementarerziehung, Schulsozialarbeit, offener Jugendarbeit und Erlebnispädagogik, Familienbildung oder beruflicher Jugendhilfe sowie Hilfen zur Erziehung auch Adoption, Kriminal- und Suchtprävention, Kinderschutz, Streetwork, Bewährungshilfe und die Integration gesellschaftliche Randgruppen eine Rolle spielen.

Einen zentralen Schwerpunkt in der Kinder- und Jugendhilfe nehmen die Hilfen zur Erziehung ein, die Eltern und ihren (meist) belasteten Kindern und Jugendlichen unter bestimmten Voraussetzungen gewährt werden müssen. Dies können beispielsweise Maßnahmen der sozialpädagogischen Familienhilfe, soziale Gruppenarbeit, Erziehungsberatung oder –beistand, eine intensiven sozialpädagogischen Einzelbetreuung oder die Erziehung in Tagesgruppen, Pflegefamilien oder Heimen sein.

Parallel orientiert sich heute die Soziale Arbeit zunehmend in Richtung Prävention, um bereits vor der Entstehung von Problemen mit niederschwelligen Angeboten beratend oder unterstützend eingreifen zu können.

Anforderungen an die Fachkräfte in der Kinder- und Jugendhilfe

Absolventen von Fachschulausbildungen und Studiengängen der Sozialen Arbeit verfügen über fundierte Kenntnisse in den Querschnittsbereichen Sozialarbeit / Sozialpädagogik, Sozialökonomie, Psychologie, Soziologie, Recht und Verwaltung, Philosophie, Sozialmedizin und Gesundheitswissenschaft.

Sie sind mit diesem Wissen beispielsweise in der Lage,

  • in der offenen Jugendarbeit tätig zu sein,
  • unter Beachtung wissenschaftlicher Erkenntnisse und geeigneter Methoden selbstständig, präventiv und interventionsorientiert zu arbeiten,
  • in der Gemeinwesen- und pädagogischer Gruppenarbeit beratend, unterstützend und teamentwickelnd zu wirken,
  • professionelle Einzelfallhilfe etwa durch Bestärkung (Empowerment) des Klienten oder Hilfe zur Selbsthilfe zu leisten,
  • mit Hilfe von Mediation und Deeskalation Konflikte aufzulösen,
  • unter Berücksichtigung rechtlicher, behördlicher und fiskalischer Aspekte soziale Problemlagen festzustellen, zu analysieren und unter Einbeziehung von Kooperationspartnern gezielte Handlungsansätze zu definieren und Gegenmaßnahmen zu ergreifen,
  • stationäre, ambulante und teilstationäre Hilfen für Kinder, Jugendliche und ihre Familien zu leisten.

Zwischen Empathie und Handlungsreflektion

Fachwissen ist jedoch nur die eine Seite der Medaille. Eine entscheidende Rolle in der Arbeit mit Kindern, Jugendlichen und Familien spielt, ob Sie den sprichwörtlichen Faden zueinander finden. Vertrauensvolles Miteinander ist die Grundlage und Ansatzpunkt Sozialer Arbeit. Daher ist es wichtig, sich mit Einfühlungsvermögen und Fingerspitzengefühl auf die Kinder und Jugendlichen einzulassen, ihre Meinungen, Haltungen und Motivationen zu respektieren, familiäre Hintergründe kennenzulernen, die Lebenswelten unterschiedlicher Milieus zu verstehen, Identitätskrisen und Rebellion von Jugendlichen nachzuvollziehen, ihre Clique(n) und ihr soziales Bindungsverhalten einzuschätzen oder Ursachen für Sucht und Gewalt herauszuarbeiten.

In der täglichen Auseinandersetzung mit problembelasteten Kinder, Jugendlichen und ihren Familien ist es notwendig, dass die in diesen Prozessen tätigen Fachkräfte ihre Umgangsweisen, Handlungsstrategien und Lösungsansätze in regelmäßigen Zeiträumen selbst reflektieren, sich mit Kollegen austauschen und weitere Vorgehensweisen mit Netzwerkpartnern beraten. So kann es beispielsweise notwendig sein, subjektiv getroffene Einschätzungen zu relativieren, ursprünglich als geeignet gesehene Strategien zu beenden und neue Richtungen einzuschlagen oder andere Netzwerkpartner hinzuzuziehen.

Zudem ist trotz aller sozialen Probleme der Klientel der notwendige persönliche Abstand zu wahren und die nachfolgenden Arbeitsschritte klar abzustimmen.

Ein gemeinsames Vorgehen gibt dem Sozialarbeiter oder Sozialpädagogen Handlungssicherheit, die sich auf die Soziale Arbeit mit Kinder, Jugendlichen und Familien übertragen kann.

Messbarkeit Sozialer Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe

In der Sozialen Arbeit können wir Teilnehmerzahlen an erlebnispädagogischen Maßnahmen, Freizeiten, Bildungsfahrten oder Sport-AG erfassen. Wir können ebenso dokumentieren, wie oft wir mit dem Kind und dem Jugendlichen gearbeitet, die Familie aufgesucht haben oder wie das Kinderheim belegt ist.

Dennoch ist der Erfolg Sozialer Arbeit nicht am Tag x zähl- oder abrechenbar, sondern es ist ein unsteter, subjektiver und teils langwieriger Prozess mit vielen unbekannten Einflussfaktoren. Dies erschwert zwangsläufig die positive Außendarstellung der Wirksamkeit Sozialer Arbeit, durch die wir Fachkräfte und finanzielle Mittel nicht nur für die staatlichen Pflichtaufgaben, sondern auch für die flankierenden Maßnahmen wie die offene Jugendarbeit sichern wollen.

Interesse an der Sozialen Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe?

Neben dem Online Fernstudium Soziale Arbeit (B.A.) des basa online Hochschulverbandes bietet beispielsweise die Berufsakademie Sachsen mit ihrer Staatlichen Berufsakademie Breitenbrunn Bachelor Studiengänge Soziale Arbeit (B.A.) mit den möglichen Fachrichtungen Jugendarbeit / Jugendsozialarbeit und Hilfen zur Erziehung an.

An der Hochschule Landshut ist die Absolvierung eines Bachelor Studiengangs Soziale Arbeit in der Kinder- und Jugendhilfe möglich.

„Jeder Beruf ist großartig, wenn man ihn großartig ausführt.“ (Oliver Wendell Holmes Jr.)

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